Zweitgrößtes Bahnlogistikunternehmen Europas

Bilanz 2016

Auch 2016 konnten wir das Geschäftsjahr erneut mit positiven Ergebnissen abschließen.
Was die Österreichischen Bundesbahnen im letzten Jahr erreicht haben und welche Ziele für die Zukunft vorliegen, haben CEO Andreas Matthä und CFO Josef Halbmayr in der Bilanzpressekonferenz am 27. April vorgestellt.

Die Pressekonferenz zum Nachsehen

Ihr konntet nicht dabei sein oder habt den Stream verpasst? Dann gibt es hier das Video der Liveübertragung zum nachsehen (Die Zahlen der RCG werden ab Min. 12:28 gezeigt):

Wir behaupten uns an der Spitze der europäischen Güterbahnen

Das Umfeld im Güterverkehr in Europa ist hart. Weiterhin schwaches Wachstum und niedrige Dieselpreise verursachen einen hohen Preisdruck. Umso bemerkenswerter ist es, dass wir 2016 unsere Position an der Spitze der europäischen Güterbahnen festigen konnte. In einem Jahr, in dem in Europa kaum ein größeres Schienengüterverkehrsunternehmen einen Gewinn erwirtschaften konnten, erzielten wir ein EBT von 44,3 Mio. Euro und sind erstmals das zweitgrößte Bahnlogistikunternehmen Europas. Sowohl Rail Cargo Austria als auch Rail Cargo Hungaria blieben in ihren Heimmärkten klare Marktführer. Wichtigster Wachstumsfaktor im Güterverkehr ist die Internationalisierung, wie sich auch 2016 zeigte. Gab es 2016 erneut einen leichten Rückgang der Nettotonnen im Inland (- 1%), so konnten wir dafür einen deutlichen Zuwachs im Ausland (+17%) verzeichnen und sind heute in 18 Ländern aktiv.

Entwicklungen des Marktumfelds

2016 war kein gutes Jahr für die europäischen Güterbahnen. In Deutschland sank der Umsatz von DB Cargo um fast 4,0%. Auch das Gütergeschäft der Französischen Staatsbahn (SNCF Fret) entwickelte sich negativ. In Polen gingen Transportvolumen und Transportleistung von PKP Cargo in den ersten drei Quartalen 2016 um 4,0% zurück. In Österreich ging unser Marktanteil an der Güter-Transportleistung der Bahnen im Jahr 2016 von 76,4% auf etwa 74,5% zurück (SCG Schienen Control Bericht 2015, eigene Schätzung für 2016). In Ungarn kann dieser Anteil mit etwa 60,0% und in Slowenien mit etwa 9,0% beziffert werden. Noch relativ gering ist unser Marktanteil in Bulgarien mit etwa 3,8% sowie in Tschechien, Italien und Rumänien mit jeweils etwa 2,5% (eigene Schätzung auf Basis von RCG-Transportleistungen und nationalen Bahn-Transportleistungen).

Zu Jahresbeginn 2016 hat sich ein neuerliches Rekordtief der Dieselpreise negativ auf den Marktanteil des Schienengüterverkehrs ausgewirkt. Da 2017 von einem leichten Anziehen der Treibstoffpreise auszugehen ist, sollte es möglich sein, dass die Schiene ihre Position am Markt im kommenden Jahr nach zwei Rückschlägen wieder behaupten kann.

Quelle: Wampera – BMVIT (2015), Statistik Austria (2016), GV-Schiene, *eigene Berechnungen und Schätzungen * „2012 bis 2016dz in Prozent der Transportleistung 2012, sonst in Prozent gegenüber dem jeweiligen Vorjahr ** eigene Berechnung für 2016 auf Basis von ASFINAG-Lkw-Zähldaten und RCA-Transportleistung

Das Marktumfeld im Güterverkehr kann durchaus als herausfordernd bezeichnet werden. Da wäre zum einen der industrielle Wandel in Europa weg von schweren Rohstoffen hin zu Konsumgütern und leichteren, kleinteiligen Produkten. Die klassischen Kohle- und Erzzüge sind seltener geworden. Die Margen stagnieren im Güterverkehr. Das Güteraufkommen hat das Niveau vor der Wirtschaftskrise 2008 noch immer nicht erreicht. Der niedrige Dieselpreis, niedrige Steuern und fehlende Lkw-Mautsysteme bringen Vorteile für die Straße. Der steigende Wettbewerb auf der Schiene und die hohen Investitionen, um sich von den anderen Marktteilnehmern abzuheben, tun ihr Übriges.

In Österreich buhlen wir mit 32 Mitbewerbern um einen Kuchen, der nicht größer wird. Die Expansion über die Grenzen ist der logische nächste Schritt. Dort warten neben vielen potenziellen Kunden aber auch viele weitere Mitbewerber – allein 448 in Deutschland. Keine guten Nachrichten und dennoch zugleich viele gute Gründe für uns, um an der Zukunft des Güterverkehrs zu arbeiten.
Allem voran steht die Frage, was der Kunde wünscht. Und die Antwort auf eine zweite Frage: „Was kann man ihm noch bieten?“ Gemeinhin kann man davon ausgehen: Kunden erwarten schnelle, zuverlässige und individuell angepasste Transportlösungen. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr. An jedem Ort. Mehr denn je ist der Schienengüterverkehr von einem dynamischen Marktumfeld geprägt. Und wir haben darauf reagiert.

Was bringt die Zukunft? Wer erfolgreich sein will, braucht Visionen. Diese Aussage stimmte damals, und sie stimmt heute. Wer in einem sich verändernden Marktumfeld bestehen will, der muss dem Mitbewerb voraus sein, Trends erkennen und auf der Suche sein nach dem, was nicht jeder hat. Wer an die Zukunft denkt, muss digital denken. Die Digitalisierung hat enormen Einfluss auf unsere Produktwelt und darauf, wie das System Güterbahn und wir künftig mit Kunden und Partnern interagieren. Im Zuge der Initiative „Cargo Vision“ werden Möglichkeiten diskutiert, unser Geschäftsmodell zu digitalisieren, gleichzeitig wesentliche Innovationen am Bahnlogistikmarkt zu realisieren und potenzielle neue profitable Geschäftsmodelle zu identifizieren und rasch umzusetzen.

Zusätzlich werden im Open-Innovation-Zukunftslabor neue Ideen und Zugänge erarbeitet und formuliert. Erste Workshops im Zukunftslabor haben sehr gute Ergebnisse gebracht. Inzwischen ist man schon einen Schritt weiter. Den in Richtung Umsetzung. Hochkomplex gestaltet sich auch unsere Steuerung , am besten ist sie mit einem feinmaschigen Netz zu vergleichen, einer dichten Abfolge von Knotenpunkten. Umso wichtiger sind transparente Steuerungsstrukturen gepaart mit klaren Verantwortlichkeiten. Gesellschaft und Branchen sollen gemeinsam betrachtet und die Profitabilität insgesamt gemessen werden. Die Ist-Analyse der Steuerungsprozesse ist bereits abgeschlossen, der Fokus liegt nun auf der grundsätzlichen Ausrichtung und Detailkonzeption. Das Ziel ist es, sich von überholten, traditionellen Arbeitsweisen zu verabschieden. Der Weg zur Veränderung wird gemeinsam mit den MitarbeiterInnen gestaltet. Damit sie ihre Ideen formulieren, ihr Wissen einbringen können. Teilhaben. Partizipieren. Mitgestalten. Weswegen die Workshops weitergeführt werden. Auf allen Ebenen. Damit wir auch in Zukunft starke Signale aussenden können.

Güter machen an Grenzen nicht halt

Außerhalb Österreichs halten wir Beteiligungen an 58 Gesellschaften in 18 Ländern, die ihren Sitz in folgenden Staaten haben:

18 Länder umfasst unsere „Karte“. Wir sind in 18 Ländern zwischen Nordsee. Mittelmeer und Schwarzem Meer präsent – davon in zehn mit Eigentraktion. Es gilt, Kunden in neue Märkte zu begleiten – als zuverlässiger Partner und starkes Logistikrückgrat.

Wir sind innerhalb Europas in 18 Ländern aktiv und mit strategischen Logistiklösungen sogar weit darüber hinaus bis in die Türkei und nach China.

Globalisierung findet im Güterverkehr täglich statt. Auf der Schiene, über die Meere, auch auf der Straße. Güter, Märkte und Produkte unterliegen einer dauernden Weiterentwicklung. Wer hier an der Spitze mitgestalten will, muss bestens vorbereitet und ausgestattet sein. Es gilt, Antworten zu finden auf die Frage, wie man einem Heimmarkt begegnen will, in dem der Anteil des Kuchens kleiner wird und man trotzdem die hochgesteckten Ziele erreichen kann. Schon jetzt bedienen wir das Gebiet zwischen Nordsee, Mittelmeer und dem Schwarzen Meer und sind in 18 Ländern präsent, davon in zehn mit Eigentraktion. Der eingeschlagene Weg der Internationalisierung wird konsequent fortgesetzt. Es gilt, Kunden in neue Märkte zu begleiten – als zuverlässiger Partner und starkes Logistikrückgrat. Auf sechs Achsen durch ganz Europa und mit strategischen Logistiklösungen auch weit darüber hinaus bis in die Türkei und nach China. Die aktuellen Heimmärkte, Österreich und Ungarn, sind dabei nur ein Teil des Puzzles. Durch strategische Partnerschaften wird die Marktpräsenz quer durch Europa verstärkt, beispielsweise durch die Übernahme des deutschen Eisenbahnverkehrsunternehmens PCT Private Car Train GmbH.

„Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.“ Das muss die Anforderung an ein Unternehmen sein, das erfolgreich sein will. Ein zentraler Bestandteil für eine nachhaltig erfolgreiche Geschäftsentwicklung ist die bestmögliche Auslastung der Assets. Im Güter verkehr bedeutet das, optimale Verfügbarkeit von Lokomotiven, höchstmögliche Auslastung der Züge, eine bessere Vermarktung der Ressourcen, gesteigerte Produktivität der LokführerInnen und selbstverständlich die Erfüllung der Kundenerwartung. Transparenz und partizipative Veränderungen müssen – wenn sie denn erfolgreich sein und in die Tiefe wirken sollen – gut vorbereitet und begleitet werden.

Für uns bedeutet das, die MitarbeiterInnen so intensiv und so gut wie möglich in den gesamten Prozess miteinzubeziehen. Sie sind schließlich das wichtigste Asset des Unternehmens.

Die Botschaft an die Mitarbeiter Innen ist klar: Wir und unser Produktportfolio befinden unsin einem Umfeld sich ändernder Kundenbedürfnisse. Nur im Zusammenspiel von Internationalität, Effizienz und Kundenorientierung können sowohl neue Kunden gewonnen als auch der Kundenstamm nachhaltig gefestigt werden. Es ist eine Frage des Stils und der Unternehmenskultur, alle MitarbeiterInnen auf ein Ziel einzuschwören, nämlich jenes, erfolgreich zu bleiben.

Alle Zahlen, Daten und Fakten gibt es auch im Geschäftsbericht nachzulesen.