Brigitte Hafner
ist Kommunikatorin in der Rail Cargo Group
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RCG Inside

Boxenstopp für ÖBB-Bullen

Auch Triebfahrzeuge müssen in die Werkstätte und benötigen in regelmäßigen Abständen ein Service. Ein Kraftakt, wenn so ein knapp 90 Tonnen schwerer Taurus, der Stier unter den ÖBB-Lokomotiven, zum Rädertausch muss. Maßgeblich, um Schienengüterverkehr sicher, zuverlässig und effizient zu machen.

In den ÖBB-Werkstätten dreht sich alles um optimale Wartung von Schienenfahrzeugen. ÖBB-Technische Services ist unser kompetenter Partner, wenn es um die sichere und zuverlässige Instandhaltung und Weiterentwicklung von Lokomotiven und Güterwagen sowie deren Komponenten in ganz Zentral- und Südosteuropa geht. Denn mit professioneller Wartung und Instandhaltung von Schienenfahrzeugen leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Attraktivität des Güterverkehrs auf der Schiene.

Ein Triebfahrzeug in einer ÖBB-Werkstätte. © ÖBB_Roland Steinberger

Mehr als nur Wartung von Lokomotiven

Die Rail Cargo Group verfügt über 643 Triebfahrzeuge. 445 davon stehen im täglichen Einsatz, um Güter umweltfreundlich auf der Schiene von A nach B zu transportieren. 198 Lokomotiven stehen für Verschubtätigkeiten zur Verfügung. Tonnenschwere Triebfahrzeuge unterliegen bestimmten Wartungs- und Instandhaltungsvorschriften. Die einzelnen Wartungsschritte umfassen Inspektionen oder kleine Serviceausbesserungen und erstrecken sich bis hin zu umfangreichen Wartungsarbeiten bzw. Revisionstätigkeiten. Bei solchen großen Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten, die beispielsweise bei den Tauruslokomotiven alle 1,2 Millionen Kilometer gefahrenen vorgeschrieben sind, werden einzelne Fahrzeugkomponenten, wie etwa Radsätze, Fahrzeugmotoren, Kompressoren oder Antriebseinheiten ausgebaut, gewartet, getauscht oder repariert. Denn viele Teile von Schienenfahrzeugen unterliegen natürlicher Abnutzung. Deswegen müssen sie aber noch lange nicht „entsorgt“ werden. Ein stumpfes Messer kann ja auch wieder geschärft werden.

Präzision in Perfektion

Radsätzen wird etwa ein neues Profil verliehen, automatische Bürsten- und Lackieranlagen sorgen bei den Achsen zudem für eine perfekte Oberfläche. Entscheidet doch die Qualität des Radsatzes über die Sicherheit.

Der computergesteuerten Ultraschallprüfanlage im führendsten Radsatzzentrum Europas in der ÖBB-Werkstätte in Knittelfeld, Steiermark, entgeht nichts. © ÖBB_Roland Steinberger

Höchste Präzision, Einsatz modernster Technologien und lückenlose Qualitätskontrollen sind die Basis für kompromisslose Sicherheit. © ÖBB_Roland Steinberger

Höchste Präzision, Einsatz modernster Technologien und lückenlose Qualitätskontrollen sind die Basis für kompromisslose Sicherheit. © ÖBB_Roland Steinberger

 

Werden Drehgestelle, das sind die Laufwerke eines Schienenfahrzeuges, getauscht, geht es für die Lokomotiven hoch hinaus. Dann kommt ein 100-Tonnen-Kran zum Einsatz, der die Lokomotive mühelos anhebt. Hohes Sicherheitsbewusstsein, Erfahrung sowie viel Fingerspitzengefühl sind dabei gefragt, um den Kran exakt zu steuern. Ist der Lokkasten angehoben, kann das Drehgestell problemlos getauscht werden, bevor der Lokkasten wieder mit dem neuen Laufwerk ordnungsgemäß verbunden wird. Hotspot für einen Großteil der ÖBB Lokflotten ist dabei die ÖBB-Werkstätte in Oberösterreichs Hauptstadt. Bildet Linz doch die unverzichtbare Drehscheibe für Instandhaltung, Modernisierung und Reparaturen moderner Lokomotiven und deren Komponenten für ganz Europa. Auf 61.000 Quadratmetern bzw. einer Fläche, die so groß ist wie über 15 Fußballfelder werden in Linz pro Jahr 280 Lokrevisionen durchgeführt sowie 1.500 Fahrmotoren und 2.000 Triebradsätze aufgearbeitet. Sind alle Arbeiten abgeschlossen, sind die Loks für ihre nächste Million bereit. Je nach Laufleistung der Lokomotiven, kommt ein Taurus im Schnitt alle sechs bis sieben Jahre zu einer Revision in die Werkstatt.

Hoch hinaus geht es für den tonnenschweren ÖBB-Bullen in der ÖBB-Werkstätte in Linz. Die Lok ist bereit für den Tausch ihres Drehgestells. © ÖBB_Wolfgang Spitzbart

Gewusst wie und wann

Moderne Fahrzeuge sind nur dann wirtschaftlich, wenn sie auch möglichst viel im Einsatz stehen. Darum ist unser Ansatz: Wartung dann, wenn die Fahrzeug nicht benötigt werden. Bei den Wartungs- und Revisionsarbeiten setzen wir dabei ganz auf modulare Wartung in planmäßigen Stilllagen. Im Detail heißt das, dass bestehende Ausbesserungen in einzelne Module zerlegt und in planmäßige Stillstandzeiten integriert werden, also dann wenn das Fahrzeug nicht im geplanten Einsatz steht. Die Instandhaltung wird demnach noch enger mit den Umlaufplänen der Loks verknüpft. Nicht nur deswegen sind unsere Qualität in der Wartung von Schienenfahrzeugen sowie technische Kompetenz europaweit anerkannt. In Verbindung mit einem dichten Werkstättennetzwerk wird so wirtschaftliche Instandhaltung von Schienenfahrzeugen weit über die Grenzen Österreichs hinaus möglich. Durch die optimale Lage Österreichs mitten im Herzen Europas, durch das nahezu alle europäischen Hauptverkehrsverbindungen führen, sind wir schnell und effektiv zur Stelle.