Nina Kozak
ist Kommunikatorin in der Rail Cargo Group
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E-Lok auch ohne Fahrleitung

CO2 frei mit der neuen eHybridlok

Die moderne Lokflotte erhält eine perfekte Ergänzung, um weiterhin kostengünstig und umweltschonend Traktionsleistungen anbieten zu können.

Als größter Anbieter von Traktionsleistungen in Österreich sind wir immer bestrebt, für unsere Lokflotte Energie- und Wartungskosten zu reduzieren sowie Lärmemissionen und Abgase zu vermeiden. Deshalb sollen auch in einem neu aufgesetzten Projekt eHybridloks als Ersatz von Diesellokomotiven entwickelt werden, die für Fahrten ohne Fahrleitung von einem geeigneten Energiespeicher angetrieben werden. Dieser Speicher soll beim Betrieb in Fahrleitung aufgeladen werden, was später im fahrleitungsfreien Bereich einen ein- bis zweistündigen emissionsfreien Betrieb mit bis zu 200 kW möglich macht.

Bis jetzt finden Hybridtechnologien nur im Automobilsektor Anwendung, zumeist speist ein Verbrennungsmotor eine Batterie. Die Möglichkeit einer elektrischen Speicheraufladung ist im Eisenbahnsektor wegen des hohen Grades der vorhandenen Elektrifizierung sehr einfach, wurde aber bisher noch nie genutzt.

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(c)Lightone_Werner Steinkellner

Innovation durch Wettbewerb

Zur Entwicklung der eHybridlok haben wir gemeinsam mit dem bmvit in einem mehrstufigen Verfahren die Möglichkeit, unterschiedliche innovative Lösungen in einem Wettbewerb zu entwickeln. Ein großer Teil der Entwicklungskosten wird dabei durch das bmvit in Form einer Förderung von bis zu 550.000 Euro getragen. Hervorzuheben ist zudem, dass den Anbietern neben monetären Leistungen auch unsere Sachleistungen zur Verfügung gestellt werden. Diese umfassen unter anderem Lokomotiven als Prototypträger, die TriebfahrzeugführerInnen in der Erprobungsphase, die Entrichtung des Trassenbenützungsentgelts, den notwendigen Traktionsstrom, die Personalkosten für die Bereitstellung des Know-hows für Fahrzeuge, maschinentechnische Messungen und betriebliche Einsatzerfordernisse sowie nach Abschluss der Erprobungen den Rückbau der Prototypenträger durch unsere Technische Services.

Ausschreibung und Prototypen

Durch diese Vorgehensweise sollte gewährleistet werden, dass sich ein breites Spektrum an potenziellen innovativen großen und kleinen Anbietern an der Ausschreibung beteiligen konnte. Die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) wurde mit der Abwicklung der zweistufigen Ausschreibung im vorkommerziellen Bereich beauftragt, und Mitte des Vorjahres wurden nach Juryentscheid vier Anbieter mit der Erstellung von Machbarkeitsstudien beauftragt. Ein Expertengremium überprüfte und bewertete diese Machbarkeitsstudien, und letztendlich wurden zwei Bewerber mit der Realisierung jeweils eines Prototyps beauftragt:

  • TecSol GmbH: „InnoShunt – 100 % electric everywhere; Energiespeicher auf einer elektrischen Verschublokomotive Rh 1063 für Betrieb ohne Oberleitung“ auf Basis eines Lithium-Eisen-Phosphat-Akkumulators

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  • HET GmbH mit der Montanuniversität Leoben und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR): „Hybridlokomotive auf Basis H2-Brennstoffzelle und Elektrolyse von Wasser als Range- Extender vorwiegend für Rangiereinsatz auf Eisenbahnstrecken mit und ohne Fahrleitung“
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Prototypen im Test

In der letzten Stufe des Verfahrens wurde mit der Realisierung der beiden Prototyp-Lokomotiven begonnen, die Ende 2016 auf die Schiene gestellt und in weiterer Folge im realen Einsatz auf ihre Leistungsfähigkeit und Praxistauglichkeit getestet werden. Für die Prototyprealisierung wurde TecSol im April die 1063.039 übergeben, die Umbauarbeiten fanden in der betriebseigenen Werkstätte in Krieglach statt. Die Lokomotive wurde nach den vollendeten Umbauarbeiten auf der größten europäischen Eisenbahnmesse, der InnoTrans 2016 in Berlin, vorgestellt und fand reges Publikumsinteresse. Für HET ist die 1063.038 als Prototypfahrzeug vorgesehen, und die Umbauarbeiten sollen mithilfe von TS Linz in Kürze starten.

Zukunftstechnologien

Nach Abschluss der Erprobungen werden die beiden Prototyp-Lokomotiven im Zuge einer T-Ausbesserung wieder in ihren Ursprungszustand zurückversetzt, die gesammelten Betriebserfahrungen sollen letztendlich, ganz im Sinne des Pre-Commercial-Procurement, in der Ausschreibung eines Refurbishments der Baureihe 1063 zur eHybridlok münden.

Das Feld der Forschung und Entwicklung wurde in den letzten Jahren fast ausschließlich der Industrie überlassen. Es zeigt sich jedoch, dass wir als Betreiber wesentliches Know-how für Zukunftstechnologien besitzen. Unsere moderne Lokflotte erhält jedenfalls mit der eHybridlok in einem derzeit noch neuen Segment eine perfekte Ergänzung, um weiterhin kostengünstig und umweltschonend Traktionsleistungen anbieten zu können.

Wie so ein Auf- und Zusammenbau der InnoShun funktioniert? Sehen Sie selbst: