Nina Kozak
ist Kommunikatorin in der Rail Cargo Group
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Porto Trieste

Die wichtige Destination für unsere Handelshäfen

Der Hafen Triest ist einer der größten italienischen Häfen und aufgrund seiner Lage auch einer der wichtigsten Handelshäfen für Österreichs Wirtschaft und auch für uns, da wir im Dezember unsere Aktivitäten erhöhen konnten.

Konkurrenz bekommt er wegen der guten Lage hier nur vom slowenischen Hafen Koper.
Mitten in Europa, zwischen Schiffsrouten und dem Baltisch-Adriatischen-, sowie dem Mittelmeer-Korridor, schafft der Hafen Triest internationale Verbindungen zwischen Übersee und dem dynamischen Markt in Zentral- und Osteuropa. Triest ist ein wichtiger Verkehrsknoten für interkontinentale, maritime Langstreckenverbindungen sowie Kurz- und Mittelstreckenverbindungen für den Handel im Mittelmeerraum. Von Triest aus fahren Schiffe direkt nach China, Singapur oder Malaysien mit Stopps in den Häfen in Albanien, Slowenien, Kroatien, Griechenland, der Türkei oder Ägypten. Der Verkehr im Hafen beläuft sich insgesamt jährlich auf ein Volumen von ca. 48 Mio. Tonnen, davon rund 35 Mio. Tonnen Rohöl. Das restliche Verkehrsaufkommen besteht aus verschiedenen Waren – Kohle, Holz, Mineralstoffe, Getreide und Ölsamen.

Investitionen in Bahnverbindungen

Der Hafen Triest setzt stark auf den Bahnverkehr und möchte diesen weiter verstärken. Derzeit verbinden Triest mehr als 400 Züge monatlich mit den Industriegebieten in Nordost-Italien und dem Hinterland in Zentraleuropa. Hochspezialisierte Intermodalservices wurden entwickelt und bieten regelmäßige Verkehre. Im Hafen Triest gibt es ein internationales Bahnnetzwerk, welches mit dem nationalen und internationalen Netzwerk sowie mit allen Terminals verbunden ist.
Eine weitere Attraktivierung für den Bahngüterverkehr ist die Restrukturierung der Verschubprozesse, die vor einem Jahr abgeschlossen wurde. Dass die gesamte Traktion im Hafenareal nun mit einer anstatt zwei Loks durchgeführt werden kann, bedeutet eine deutliche Zeitersparnis für die Bahnbetreiber und die Terminals.
Seit November 2016 wurde auch das „Gate Four“ (Varco 4) aktiviert, um das Containerterminal direkt mit dem nationalen und internationalen Eisenbahnnetz zu verbinden. Das zusätzliche Gleis ermöglicht eine deutliche Steigerung der Effizienz und der Bahnkapazität des Hafens um 45 Prozent. Das bedeutet eine Steigerung von 7.500 auf 11.500 Züge pro Jahr oder eine wöchentliche Bahnkapazität von 120 auf bis über 200 Züge.
Der Hafen Triest sieht die Schiene als Kerngeschäft und strebt an, der erste internationale Bahn-Hafen Italiens zu werden, mit täglichen Abfahrten und Direktverbindungen nach Mittel-/Osteuropa und Norditalien. Im Herbst 2016 hat der Hafen bereits seine Bahnverbindungen Richtung Osteuropa verstärkt: Es gibt nun fünf Bahnverbindungen wöchentlich nach Budapest und eine pro Woche zum Terminal Dunajska Streda, südlich von Bratislava.

(c)ÖBB/Eisenberger

Verstärkung unserer Verkehre

Auch wir führen regelmäßig Verkehre vom und zum Hafen Triest. Als stärkstes EVU konnten wir die Transportaktivitäten seit Dezember 2016 weiter deutlich steigern. Durch Aufträge unserer Kunden befördern wir nun auch Trailer und Tankcontainer in zwei Rundläufen pro Woche zwischen Triest und Ludwigshafen – mit Option auf Steigerung der Rundläufe. Für einen Kunden wurden bereits Ende des Jahres 2015 je 30 Trailer pro Richtung in drei wöchentlichen Rundläufen zwischen dem Hafen Triest und Ostrava, Tschechien, transportiert. Mitte des Jahres 2016 gelang die Ausdehnung auf vier Rundläufe pro Woche. Zusätzlich wurden die Produktionsleistungen auf Eigentraktion durch Rail Cargo Carrier in Tschechien umgestellt.
Insgesamt haben wir 3.174 Züge im Jahr 2016 ab Triest geführt – 364 nach Villach, 280 nach München, 405 nach Budapest, 649 nach Salzburg, 102 nach Burghausen, 344 nach Ostrava, 493 nach Wels, 100 nach Bremerhafen, 100 nach Kecskemét (Ungarn), 100 nach Gliwice (Polen), 160 nach Schwechat, 56 nach Ulm und 18 nach Ludwigshafen. Befördert wurden ab Triest insgesamt 113.839 TEU im Jahr 2016.

Wirtschaftlicher Trend

Im Jahr 2016 setzte sich der positive Trend des Hafens Triest fort, der Warenumschlag belief sich auf 59.237.293 Tonnen, das ist ein Plus von 3,68 Prozent. 7.631 abgefertigte Züge bedeuten einen Anstieg von 27,61 Prozent gegenüber 2015. Flüssige Massengüter wurden mit einem Plus von 3,56 Prozent registriert, feste Massengüter mit einem Plus von 22,45 Prozent. Auch im Bereich der rollenden Landstraße und Container konnte ein Plus von 1,92 Prozent verzeichnet werden. Bereits in den vergangenen Jahren hat Triest eine Führungsposition im intermodalen Transport erobert und positioniert sich im Bahntransport an erster Stelle in Italien: Schon 2015 gab es ein Plus von 13 Prozent.

(c)RCG/Krischanz

Geschichtliches

Die Gründung des Hafens geht auf das 18. Jahrhundert und Kaiser Karl VI. von Österreich zurück. Triest löste damals Venedig in seiner führenden Rolle im Handel mit dem Nahen Osten ab und entwickelte sich zum größten Handelszentrum der Adria. Die Erschließung des Suezkanals im Jahr 1869 verstärkte die Bedeutung des Hafens als Zugang zu den mitteleuropäischen Wirtschaftszentren entlang der Handelswege in den Mittleren und Fernen Osten. In einem aktuellen Projekt wird angestrebt, den alten Hafenteil von Triest, den „Porto Vecchio“, der im Laufe der Jahre durch die schwindende Bedeutung Triests als Handelsstadt ab dem Ende des Ersten Weltkriegs und durch den Ausbau der Anlagen im neuen Hafen an Wichtigkeit verloren hat und seither brach liegt, wieder zu beleben. Bereits seit Jahrzehnten ist der alte Hafen verfallen und nur vom Meer aus oder durch Stacheldrahtzäune entlang der Bahnstrecke zu sehen. Nun soll das fast 600.000 Quadratmeter große abgetrennte Areal saniert werden, diverse Stadtentwicklungsprojekte sind angedacht.

Zahlen, Daten, Fakten Hafen Triest

Das Hafengelände von Triest umfasst eine Fläche von 2.304.000 Quadratmetern, von denen 1.765.000 Quadratmeter als Freihafenzone deklariert sind. Die Freihafenzone ist Zollausland der Europäischen Union. 925.000 Quadratmeter Lagerfläche stehen ebenfalls zur Verfügung. Der Hafen Triest verfügt über zwölf Kais, 47 operative Anlegeplätze und ein Bahnnetz bestehend aus 70 Kilometern Gleisen mit direktem Bahnanschluss für alle Kais.

 

Quellen: Kurier, 5.9.2016; ÖVZ, 12.8.2016; ÖVZ 16.2.2016; ÖVZ, 21.11.2016; Trend 13.5.2016; Verkehrsrundschau, 31.1.2017