Nina Kozak
ist Kommunikatorin in der Rail Cargo Group
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RCG Challenge

Digitalisierung im Schienengüterverkehr

Digitalisierung ist ein spannendes Thema und wird auch im Güterverkehr der ÖBB die Zukunft ebnen. Wir haben nach Lösungen rund um die moderne und vereinfachte Zusammenarbeit mit euch gesucht.

Die Open Innovation Plattform der ÖBB bietet die Möglichkeit, die Zukunft der ÖBB aktiv mitzugestalten. Diskutiert über wichtige Themen im Kundenforum und reicht eure innovativen Ideen ein!
Wie das funktioniert findet ihr hier.

Dieses Mal waren dazu Ziel der Challenge, neue Ideen für den Güterverkehr zu finden. Wir wollten wissen, wie wir durch Digitalisierung den Service für euch einfacher, schneller und moderner gestalten können. Bis 31.Jänner 2017 wurden 60 Ideen auf der Plattform eingereicht, kommentiert, mit ExpertInnen, sowie anderen Usern diskutiert und bei der Veranstaltung Ende Februar vorgestellt und prämiert.

Hinter dieser Challenge steckten 3 große Fragestellungen. Jede dieser Fragen stand 2 Wochen lang im Fokus.

  • Frage 1: Informationsbereitstellung: Wie können Logistik-Kunden besser die Informationen erhalten, die sie benötigen?
    Track and Trace ist in der Logistikbranche in aller Munde. Vom Express-Paketdienstleister sind wir gewohnt, ständig am laufenden gehalten zu werden, wann und wo mein Paket ist. Aber ehrlich, wann schaut man sich diese Info wirklich an und wann verwirrt mich die Info eher? (z.B. Lieferung befindet sich im Logistikzentrum XY.). Ohne Zweifel, im Schienengüterverkehr soll und kann es ähnliche Lösungen geben. Aber auf die Details kommt es an…

    • Welche Informationen möchte ich als Kunde tatsächlich bekommen? Welche aktiv als Push-Nachricht bzw. Email – und welche hole ich mir lieber bei Bedarf ab?
    • Auf welchem Level benötige ich diese Informationen? Wann genügt ein Überblick oder eine 140 Zeichen Status-Nachricht? Wann muss es detaillierter sein?
    • Sollen die Informationen über automatische Schnittstellen (API’s) bereitgestellt werden? Wenn ja, welche konkret – und noch besser, wie sind diese strukturiert?

  • Frage 2: Angebotslegung & Auftragsabwicklung: Wie kann der Prozess der individuellen Angebotserstellung und des Vertragsabschlusses vereinfacht werden?
    Kein Kauf ohne Preis. Das klingt trivial, ist es im Schienen-Güterverkehr aber nicht. Für jeden Gütertransport mit der Bahn legen wir unseren Kunden ein individuelles Angebot. Je nach Strecke und Ware kann dies schon mal eine komplizierte Angelegenheit werden – wir bedienen verschiedene Strecken in unterschiedlichen Ländern, unter Berücksichtigung einer Vielzahl öffentlicher und sicherheitstechnischer Regulatorien. Für Kunden bedeutet das leider oft – lange Wartezeiten auf das Angebot und komplizierte Eingaben bei der Buchung. Das wollen wir verbessern und fragen daher:

    • Wie kann der Prozess von der Buchung bis zur Auftragsabwicklung vereinfacht werden?
    • Welche Online / mobile Tools könnten dafür als Vorlage dienen?
      (z.B. aus Bereichen, wie Carsharing, Hotel-Buchung, Wohnungsvermietung, etc.)
    • Welche Systeme zur Verwaltung der Aufträge / Transporte kennt ihr, die bereits so einfach funktionieren, dass auch der Schienengüterverkehr davon profitieren könnte?

  • Frage 3: Bestehende Lösungen der Digitalisierung: Welche Lösungen (ev. aus anderen Bereichen) können verwendet werden, um den Schienengüterverkehr zu optimieren?
    Wenn man sich auf Plattformen, wie kickstarter.com oder in Foren für Start-Ups, Programmierer und anderen Tüftlern umsieht, kann man nur feststellen, dass heute beeindruckende Möglichkeiten durch Innovationen im Bereich der Digitalisierung bestehen.
    Logistik und Transport sind dabei oft bediente Märkte – die Lösungen reichen von technischen Gadgets über beeindruckende Datenverarbeitung und Berechnungsmodellen bis hin zu cleveren Service-Lösungen, die das Leben einfach einfacher machen. Und genau darauf zielen wir ab!

    • Welche bestehenden Lösungen können verwendet werden, um den Schienengüterverkehr zu optimieren? Schlagwörter hierzu sind beispielsweise: Artificial Intelligence, Internet of Things, Chat Bots, Blockchain, neuronale Netze, intelligente Disposition, usw. Es gibt keine Einschränkungen – was nützlich ist, konnte eingereicht werden.
    • Wichtig für uns: Die Lösung existiert bereits und kann sofort eingesetzt – oder zumindest getestet – werden

Workshops

Nachdem die ersten Ideen auf der Plattform eingereicht wurden, luden wir zu Workshops in unserem Open Innovation Lab in der Unternehmenszentrale bei dem neben unseren ExpertInnen auch Mitglieder aus unserer Community dabei waren. Jede/r konnte einen Beitrag leisten und sich einbringen. Es wurde gegrübelt, diskutiert, optimiert und festgehalten. TeilnehmerInnen kamen auf neue Ideen oder überdachten Bestehende. Auch wurden Geschäftsmodelle anderer Branchen als Ausgangspunkt genommen, um Parallelen zu finden und Nützliches zu adaptieren.

Mit dem Ergebnis sind wir mehr als zufrieden. 🙂 Am Ende blieben mehrere Whiteboards voller Lösungsansätze, die Erinnerung an eine interessante Diskussionsrunde und gut gelaunte, sowie motivierte Gäste, die sich noch über die Veranstaltung hinweg ausgiebig austauschten.

Doch seht selbst…so hat der Workshop bei uns ausgesehen…

Inno-Gala

Zum krönenden Abschluss wurden alle Ideenbringer zu einer Veranstaltung in die Unternehmenszentrale geladen.

Nach einer kurzen Zusammenfassung über die Challenge, in der nochmals die Ausgangssituation, Erwartungen sowie die Ergebnisse präsentiert wurden, erfreuten sich die Gäste an einem kurzem Video, das Einblick in die Welt unserer Kunden aber auch unserer MitarbeiterInnen gegeben hat und zeigt, welche Leidenschaft im Güterverkehr steckt.

Danach verriet Vorstandssprecher Clemens Först, warum Digitalisierung im Güterverkehr und vor allem bei uns so wichtig ist und erwähnte neben den steigenden Herausforderungen durch die Dynamik im Markt auch aktuelle Initiativen und Pläne, mit denen diese Herausforderungen gelöst werden sollen.

Highlight des Abends bildeten aber die Ideenbringer, die ihre Ideen in 5-minütigen Pitches der Management-Jury, aber auch interessierten ExpertInnen der RCG vorstellten.

Nach anschließendem gemeinsamen diskutieren, argumentieren und fachsimpeln freuten sich die Ideenfinder über die Aussicht Ihre Ideen in der Unternehmenszentrale der ÖBB weiter zu entwickeln.

Wie geht es jetzt weiter?

Das Ziel bei Open Innovation ist es, innovative Ideen möglichst rasch zu testen. Bei so einer Vielfalt an Ideen stellt sich natürlich die Frage, bei welchen Ideen man starten soll. Die Einreichungen haben uns gezeigt, dass besonders rund um das Thema „Plattformen“ ein hoher Bedarf an raschen Lösungen und neuen Wegen besteht – sei es beim Thema Dispo & Tracking, Client Connection oder Market Pricing. Und aus diesem Grund werden wir uns auch diesem Thema zuerst widmen: mit Prototyping Workshops und Sprints hoffen wir schon in Kürze erste Prototypen in Händen zu haben und sie euch vorzustellen!

Wir halten euch natürlich auf dem Laufenden! 🙂