Brigitte Hafner
ist Kommunikatorin in der Rail Cargo Group
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RCG Inside

Eisenbahn einfach erklärt:
Interoperabilität

Wissen Sie, was Interoperabilität heißt? Was der Begriff mit dem Brückenbau zu tun hat? Und warum sie ganz besonders für einen effizienten, nahtlosen und grenzüberschreitenden Schienengüterverkehr von derart großer Bedeutung ist?

In Europa gibt es viele historisch gewachsene, nationale Bahnsysteme. Unterschiedliche betriebliche, infrastrukturelle und technische Standards bedeuten für einen effizienten grenzüberschreitenden Bahnverkehr große Herausforderungen. Verschiedene Energieversorgungen in den Ländern erfordern – sofern das Triebfahrzeug nicht für die unterschiedlichen Netzspannungen ausgerüstet ist – an Grenzbahnhöfen einen zeitaufwendigen Lokwechsel. Darüber hinaus verfügen einige Länder, wie beispielsweise Russland, die Ukraine, Kasachstan oder aber auch Spanien, über die Breitspur. Die Spurweite ist hier mit 1.520 Millimeter wesentlich breiter als die in fast ganz Mitteleuropa vorherrschende Normalspur mit 1.435 Millimeter. Abweichende Spurweiten machen ein Umladen der Güter bzw. das Umspuren (Tausch des Laufwerkes bzw. Veränderung am Laufwerk) des kompletten Zuges erforderlich. Zusätzliche Herausforderung eines erfolgreichen grenzüberschreitenden Schienenverkehrs sind unterschiedliche Zugsicherungssysteme. Angesichts des gemeinsamen europäischen Binnenmarkts stellen sie nicht nur für die Bahnen selbst ein beträchtliches Hindernis dar, sondern auch für die gesamte Wirtschaft. Hier gilt es, Brücken zu bauen und mit einheitlichen Systemen sowie Standards einen nahtlosen und effizienten Schienengüterverkehr sicherzustellen.

Der Weg ist das Ziel

Daher ist die Europäische Union bestrebt, länderübergreifend einheitliche, rechtliche, technische sowie betriebliche Voraussetzungen zu schaffen. Langfristig sollen damit in der EU die heute unterschiedlichen Bahnsysteme harmonisiert werden. Im Detail heißt das, Infrastruktureinrichtungen, Zugsicherungs- und Signalgebungssysteme sowie die technische Ausstattung von Triebfahrzeugen, die Energieversorgung und den Bahnbetrieb zu vereinheitlichen. Ziel ist es, den grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehr sowohl innerhalb der Europäischen Union als auch mit Drittländern interoperabel zu gestalten und somit den Schienengüterverkehr wesentlich effizienter und schneller zu machen. Diese Angleichung bzw. die Harmonisierung unterschiedlicher Systeme wird als Interoperabilität bezeichnet.

Zugkräftig Richtung einheitliches Bahnsystem

Ein Schritt in Richtung Harmonisierung ist die Verwendung des europäischen Zugbeeinflussungssystems ETCS (European Train Control System) sowie des Zugfunksystems GSM-R (Global System for Mobile Communications – Railway). ETCS überwacht die örtlich zulässige Höchstgeschwindigkeit, die korrekte Fahrtstrecke und -richtung sowie die Eignung des Zuges für die Strecke und soll in Europa eine Vielzahl an Zugbeeinflussungssystemen harmonisieren. Ein weiterer zugkräftiger Schritt ist der Einsatz von zukunftsweisenden Mehrsystemlokomotiven, also Loks, die auf Strecken mit unterschiedlicher Netzspannung bzw. Energieversorgung verkehren können, so wie sie bei uns zum Einsatz kommen. In diesem Sinne leisten neben den Hochleistungslokomotiven Taurus auch unsere neuen Vectron-Kraftpakete  einen entscheidenden Beitrag, um die Interoperabilität im Bahnverkehr nicht nur technisch, sondern auch praktisch herzustellen. Wenn sie auch nicht bis China fahren können, sind sie fast auf dem gesamten europäischen Normalspurnetz einsetzbar.

Normalspur mit 1.435 Millimeter (c) RCG_Payr