Brigitte Hafner
ist Kommunikatorin in der Rail Cargo Group
Alle Artikel lesen

INNOVATION

Nächster Halt: intelligente Güterwagen

Digitalisierung hält auch im Güterverkehr Einzug. Mit moderner Telematik und Sensorik sollen Betrieb und Wartung von Güterwagen verbessert sowie der Schienengüterverkehr im Gesamten noch sicherer, effizienter und zuverlässiger werden.

Warum GPS (Global Positioning System bzw. Globales Positionsbestimmungssystem) nicht nur bei Navigationsgeräten in Autos, oder bei unseren Smartphones eine Rolle spielen, erklären wir in diesem Beitrag. Denn auch Güterwagen lassen sich verfolgen und ihre Position punktgenau lokalisieren. GPS – eingebaut im Wagen – macht es möglich. Digitalisierung macht vor Güterwagen nicht halt. Waren Güterwaggons bisher eher für massive Stahlteile und wuchtige Komponenten bekannt, erobern sie gerade die digitale Zukunft. So arbeiten etwa die Rail Cargo Group, SBB Cargo und PJ-Messtechnik gemeinsam an einer teilautomatisierten Zugvorbereitung. Güterwagen eines Testzuges wurden bereits mit Sensoren und Elektronikbauteilen ausgerüstet, die eine automatisierte, damit einfachere, raschere und zudem sichere Bremsprobe ermöglichen. Triebfahrzeugführer können dann die Bremsen direkt am Lokführerstand per Tablet prüfen. Auf einen Blick sind damit sowohl Funktion als auch Wirkungsweise der Bremsen erkennbar.

Die automatische Bremsprobe ist aber nur ein Teil des automatisierten und damit langfristig wettbewerbsfähigen Schienengüterverkehr.

Der Güterwagen wird mit Sensoren und Elektronikbauteilen ausgerüstet. © ÖBB_Roland Steinberger

Der Güterwagen wird mit Sensoren und Elektronikbauteilen ausgerüstet. © ÖBB_Roland Steinberger

Der Güterwagen wird mit Sensoren und Elektronikbauteilen ausgerüstet. © ÖBB_Roland Steinberger

Modernste Technik liefert wichtige Informationen

Über diese am Wagen montierten Elektronikbauteile können noch weitere wesentliche Informationen abgerufen werden. Mittels GPS-Signal kann der Standort der Wagen sowie deren Laufleistung und Geschwindigkeit zu jeder Zeit exakt bestimmt werden. Darüber hinaus können spezielle Sensoren wie etwa Drucksensoren den Beladezustand anzeigen. Und spezielle Beschleunigungsaufnehmer registrieren sämtliche Verschubstöße. Nicht zuletzt kann der Zustand kritischer Komponenten wie dem Radsatz laufend überwacht und durch geringere Ausfälle des Rollmaterials verlässlichere Transporte realisiert werden.

Der Güterwagen als unser Botschafter

Mit Telematik und Sensorik wird der Güterwagen also zum digitalen und intelligenten Rollmaterial, zum virtuellen Kommunikator und Botschafter. Denn über Mobilfunk werden die Daten an einen Server gesendet, wo sie dann ausgewertet und analysiert werden.

Nicht zuletzt aufgrund der derzeit noch hohen Kosten der Sensorik, wird der Fokus im ersten Schritt in der Ausstattung von rund 13.700 Wagen mit GPS bis Ende 2020 liegen, wo sich der wirtschaftliche Nutzen schnell zu Buche schlagen wird. Denn besonders im Wagenmanagement können durch die Technologie Wagenkosten deutlich reduziert werden. Zudem werden die Beistellqualität erhöht und Leerläufe von Waggons reduziert. Faktoren, die die Leistungsqualität und somit die Kundenzufriedenheit in eine neue Dimension heben wird. Der Grundstein für einen digitalen und automatisierten Schienengüterverkehr ist somit gelegt. Denn für den Lkw sind Automation und GPS-Daten schon lange keine Fremdwörter mehr.

Über ein mobiles Netzwerk werden die Daten über die Position des Güterwagens, die Laufleistung und Geschwindigkeit an einen Server gesendet, wo sie dann ausgewertet und analysiert werden. © ÖBB_Michael Ambrosch