Nina Kozak
ist Kommunikatorin in der Rail Cargo Group
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Erneuerte Lok-Flotte

Neue Loks für den Güterverkehr

Wir investieren auch weiterhin in die Zukunft des Güterverkehrs – das erfordert unter anderem die regelmäßige Erneuerung des Fuhrparks und entsprechende Fahrzeugbeschaffungen.

200 neue Lokomotiven werden in unsere Lok-Flotte aufgenommen, die in mehr als zehn europäischen Ländern eingesetzt werden sollen. Bis 2018 werden 30 Multi-Systemlokomotiven für Wechsel- und Gleichstrom bestellt, die unseren Güterverkehr auf Schiene noch schneller, effizienter und verlässlicher machen.

„Nicht nur Österreich, Europa ist unser Markt. Die neuen Lokomotiven ermöglichen uns weiteres Wachstum im internationalen Güterverkehr und vermehrte Eigentraktion in Europa: Von Tschechien bis nach Italien oder von Deutschland nach Slowenien.“ So ÖBB Chef Andreas Matthä.

Bestbieterfindung

Um einen Bestbieter zu finden war es notwendig, klare und objektiv nachvollziehbare Kriterien festzuschreiben, um alle Bieter gleich zu behandeln. Konkret wurde neben dem Preis der Energieverbrauch, die maximal mögliche Anhängelast (Zuggewicht) sowie die Instandhaltungskosten bewertet. Für die Beschaffung wurde das TCO-Modell (Total Cost of Ownership, Gesamtbetriebskosten) angewandt, welches sicherstellt, dass alle wirtschaftlichen und technischen Kriterien korrekt bewertet wurden. Nach einem internationalen Vergabeverfahren wurde schließlich Siemens als Bestbieter ermittelt.

Die Rahmenvereinbarung sieht die Lieferung von bis zu 200 Elektrolokomotiven vom Typ Vectron vor. Die Rahmenvereinbarung beinhaltet drei unterschiedliche Typen von Lokomotiven: Neben Multi-System Lokomotiven für das europäische Wechsel- und Gleichstromnetz können auch Wechselstromlokmotiven mit Last-Mile-Antrieb und ohne Last-Mile-Antrieb abgerufen werden. Das erlaubt uns, bedarfsorientiert zu bestellen. Ein noch bedarfsorientierterer Einsatz – abgestimmt auf die jeweilige Streckenbedingung – wird damit ermöglicht.

Für unsere Kunden heißt die Investition in neues Rollmaterial: höhere Qualität und noch mehr Verlässlichkeit für die Bahnlogistik in Europa.

Einsatzmöglichkeiten

Die neuen Lokomotiven sind mit der gesamten ÖBB-Flotte kompatibel – ein wichtiger Aspekt, denn sobald für einen Zug zwei Lokomotiven benötigt werden, erfolgt die Steuerung lediglich über eine der beiden Loks. So können die neuen Lokomotiven beispielsweise von einer Taurus-Lok gesteuert werden und umgekehrt.

Eine technische Eignung besteht für alle europäischen Normalspurstrecken, da diese Lokomotiven auch den europäischen Regeln für ein harmonisiertes Bahnsystem entsprechen.  Insgesamt sind neun Länder im Vertrag fix verankert. Zehn weitere Länder können über Optionen nachgerüstet werden. Damit sind wir für alle unsere Märkte mittel- und langfristig gerüstet.

Die Fertigung der Lokomotiven findet im Siemens-Werk in München statt. Das gesamte „Antriebsherz“ der Lokomotiven – Drehgestell, Antrieb bzw. Getriebe sowie Fahrmotoren – werden bei Siemens in Graz gefertigt.

Besonderheiten in europäischen Vergleich

Die ÖBB sind den wichtigen Bewertungspunkten nachgekommen und haben Anhängelast und Energieverbrauch in praktischen Versuchen durch Fahrten am Tauern gemessen und festgelegt. Dadurch sind sie ihrer rechtlichen Verpflichtung Angebote zu ordentlich zu prüfen nachgekommen. Auch der Umstand das der Verlierer keinen Einspruch angestrengt hat ist mittlerweile bei großen europäischen Verfahren eher selten.

Technische Eckdaten

–           5600 kW Leistung (ca. 7600 PS)

–           90 Tonnen Gewicht

–           vier angetriebene Achsen

–           19,00m lang

–           160 km/h

–           Steuerung über Funk von außerhalb des Führerstandes

–           modernes europäisches Zugsicherunssystem ETCS

–           alle notwendiges nationalen Zugsicherungs- und Kommunikationssysteme