Katharina Lehmann-Kaschel
ist Kommunikatorin in der Rail Cargo Group
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Mehrzweckhafen

Überseetor für Mitteleuropa

Der Hafen Koper ist einer der am schnellsten wachsenden Häfen an der Adria. Durch seine vorteilhafte Lage ist er für internationale Unternehmen interessant. Auch wir erhöhen laufend unsere Transportvolumina. Der Hafen Koper ist der nördlichst gelegene Hafen an der Adria. Über Zugverbindungen und ein gut ausgebautes Straßennetz ist er optimal erreichbar. Der Hafen gilt als wichtigstes Überseetor für Österreichs Außenwirtschaft, er verbindet Mittel- und Osteuropa mit dem Mittelmeer und über die Straße von Gibraltar und den Suezkanal mit Amerika und dem Fernen Osten.

(c)Erwan-hesry

Der österreichische Markt

Der Hafen Koper ist einer der bedeutendsten Häfen für Österreich. Rund 22 Millionen Tonnen Güter wurden im Jahr 2016 rund um die Uhr im Schichtbetrieb umgeladen. Rund ein Drittel aller Güter, die hier an- oder ausgeliefert werden, stammt aus Österreich oder ist für den österreichischen Markt bestimmt. Wie intensiv die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Slowenien und Österreich bereits sind, zeigen auch die rund 700 österreichischen Niederlassungen in Slowenien. Mit gut einem Drittel aller Auslandsinvestitionen ist Österreich der größte Investor im Land.

Steigende Anzahl an RCG-Verkehren

Für uns ist der Hafen Koper einer der meistfrequentierten Häfen. Seit dem Jahr 2012 nahmen die Verkehre beständig zu, die Menge an beförderten Tonnen lag im Geschäftsjahr 2016 knapp unter der 8 Mio. Tonnen Marke. Von 2012 bis 2016 haben sich die beförderten Tonnen um rund 20 Prozent erhöht. Wir haben im Jahr 2016 rund 2,6 Millionen Tonnen Güter zum Hafen Koper transportiert. Die stärkste Branche war Automotive mit rund 406.000 Tonnen Fracht, gefolgt von Paper Endconsumer mit rund 373.000 beförderten Tonnen. Im Bereich Automotive ist der Hafen Koper besonders attraktiv: So hat beispielsweise Mercedes-Benz eine neue Drehscheibe für den Transport von Neu-Fahrzeugen aus Europa nach Asien eingerichtet – Ende 2015 ging der neue Hub im Hafen Koper in Betrieb. Über Koper werden nun Fahrzeuge aus verschiedenen Mercedes-Benz-Werken in Deutschland, Ungarn, Slowenien und Magna in Österreich nach China, Singapur und Brunei verschifft. Vom Hafen Koper weg beförderten wir im Jahr 2016 rund 5,4 Millionen Tonnen Güter. Voest Energy Endconsumer war hier mit knapp drei Millionen Tonnen mit Abstand das größte Segment, gefolgt von Automotive mit rund 553.000 beförderten Tonnen. In Eigenproduktion haben wir 3.344 Züge im Jahr 2016 zwischen dem Hafen Koper und Villach, Hodos, Dobova und Sentjur geführt. Der Anstieg im Vergleich zum Jahr davor betrug rund 14,6 Prozent. Automotive war auch hier die am stärksten vertretene Branche.

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Erhöhung der Unternehmensbeteiligung

Das Unternehmen Intereuropa-FLG d.o.o. blickt auf eine langjährige Firmengeschichte zurück und ist bereits seit 2005 Teil der Rail Cargo Group. Rail Cargo Logistics – Austria wurde im März 2017 durch Aufstockung der Unternehmensanteile von 50 % auf 74 % Mehrheitseigentümer des Unternehmens Intereuropa-FLG. Nun wurde Intereuropa-FLG in Rail Cargo Logistics d.o.o. umbenannt. Mit der Erhöhung der Unternehmensbeteiligung an Intereuropa-FLG von 50 % auf 74 % intensiviert Rail Cargo Logistics für ihre Kunden die Bahnlogistikaktivitäten am slowenischen Markt. Das Leistungsspektrum reicht vom klassischen Bahntransport bis hin zu Containertransporten und umfasst vor allem die Abwicklung intermodaler Transporte über die Adria-Seehäfen. Insbesondere werden Transitverkehre über den Hafen Koper inklusive dazugehöriger Hafenleistungen organisiert.

Rasante Entwicklung

Der Hafen Koper, dessen Anfänge bis ins Jahr 1957 zurückreichen, ist kontinuierlich gewachsen und hat in den letzten Jahren stetig steigende Umsatzzahlen zu verzeichnen. Der Nettoumsatz wuchs von 2015 auf 2016 um neun Prozent auf 191,7 Mio. Euro. Der Hafen Koper hat 2016 insgesamt 844.758 TEU und damit sieben Prozent mehr als im Jahr davor umgeschlagen. Die Tonnage im Segment Container betrug 8,27 Mio. Tonnen (+ 7 %), im Segment Fahrzeuge fiel das Wachstum besonders stark aus. Von Jänner bis Dezember wurden 749.006 Einheiten umgeschlagen, was einer Zunahme von 23 Prozent im Vergleich zu 2015 entspricht. Das Massengutvolumen stieg 2016 um zwei Prozent auf 7,47 Mio. Tonnen.

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Investitionen

Die Zeichen stehen weiterhin auf Expansion: Von der gegenwärtigen 280 Hektar großen Hafenfläche ist eine Expansion auf mehr als 400 Hektar geplant. Gleichzeitig will sich der Hafen für einen Jahresumschlag von 35 Millionen Tonnen wappnen. Insgesamt soll der Hafen bis 2020 für rund 290 Mio. Euro ausgebaut und modernisiert werden. Investiert wurden bereits 28 Millionen Euro in den Bau von Kranschienen am Containerterminal, wo Schiffe einen Tiefgang von 14,5 Metern vorfinden, sowie in neue Bahngleise und eine Eisenbahnbrücke. Finanziert wurden aber auch drei neue Tanks für Flüssigmassengut, Manipulationsflächen für Pkw und der Bau neuer Lkw-Ladestationen. Auch auf die Nachfrage nach Lagerhallen von Kunden aus dem Hinterland, besonders aus Österreich, wurde reagiert: Eine neue Mehrzweckhalle für trockenes Massen- und Stückgut entsteht.

Neue Bahnverbindung beschlossen

Was den Import nach Europa betrifft, ist der Hafen Koper, wie kein anderer, abhängig von der Anbindung an das Schienennetz: Rund zwei Drittel aller Güter werden auf den Zug verladen. Im April 2017 wurde der Bau einer neuen leistungsstarken Bahnverbindung zwischen dem Hafen Koper und dem Hinterland beschlossen. Rund eine Milliarde Euro wurde für die rund 27 Kilometer lange Strecke veranschlagt, den Großteil der Investitionen soll Slowenien tragen, möglich ist eine finanzielle Beteiligung eines oder mehrerer Länder, die den slowenischen Hafen nützen. Zusätzlich soll die Investition mit EU-Fördermitteln und Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) finanziert werden.

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Zahlen, Daten, Fakten

Der Hafen Koper ist ein Mehrzweckhafen im Norden des Adriatischen Meeres im Golf von Triest. Von sieben bis zu 18 Metern reicht die Wassertiefe im Hafen, Schiffe mit einer Kapazität von bis zu 180.000 Tonnen können den Hafen anlaufen. Das gesamte Hafengebiet hat den Status einer Freihandelszone, alle Terminals befinden sich direkt an der Küste und sind mit moderner Umschlag-, Transport- und Lagertechnologie ausgerüstet.

 

Quellen: APA, 24.4.2017; Österreichische Verkehrszeitung, 23.01.2017; Verkehrsrundschau, 12.9.2016; Wirtschaftskammer Kärnten, 30.6.2016; Logistik-Kongress, Juni 2016; OWC Verlag für Außenwirtschaft, 17.2.2016; ORF, Servus, 5.7.2014; www.adrianews.com