Brigitte Hafner
ist Kommunikatorin in der Rail Cargo Group
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Eisenbahn einfach erklärt: Streckenklasse

Wussten Sie, dass Strecken der Eisenbahnen in Streckenklassen eingeteilt werden? Und warum Güterwagen die maximale Zuladungsgrenze nicht überschreiten dürfen? Was Streckenklassen sind, und wie diese im Zusammenhang mit der maximal zulässigen Radsatzlast stehen, lesen Sie im folgenden Beitrag.

149 Millionen Zugkilometer haben 43 in- und ausländische Eisenbahnverkehrsunternehmen im Jahr 2017 auf österreichischem Schienennetz zurückgelegt. Das sind täglich zehn Erdumkreisungen. Das Schienennetz muss demnach einiges aushalten, wenn tonnenschwere Güter- oder Personenzüge in Hochgeschwindigkeit über die Schienen rollen. Aber nicht auf allen Strecken dürfen auch alle Züge uneingeschränkt fahren. In der Bahnwelt gelten gewisse Voraussetzungen, um sicheren Schienengüterverkehr zu gewährleisten.

Der Güterverkehr auf der Schiene hält die Straßen frei von Lkw. Doch muss er einige mehr Voraussetzungen erfüllen, als der Straßengüterverkehr. © ÖBB_David Payr

Jedem Güterwagen seine Streckenklasse

Eine wesentliche Voraussetzung für ein nachhaltiges Zugangebot ist die Errichtung und Erhaltung einer modernen Schienen-Infrastruktur. So muss beispielsweise das Schienennetz an sich, also der Unter- und Oberbau sowohl für den Personenverkehr mit hohen Geschwindigkeiten als auch für den schweren Güterverkehr dementsprechend beschaffen sein. Dafür werden Bahnstrecken hinsichtlich ihrer Belastbarkeit in Streckenklassen eingeteilt. Die Streckenklasse legt die maximal zulässige Radsatzlast und Meterlast einer Strecke fest. Die Radsatzlast bzw. Lastgrenze gibt Auskunft über das maximale Gewicht pro Achse oder auch das zulässige Höchstgewicht, bis zu welchem ein Wagen für die einzelnen Streckenklassen beladen werden darf. Denn das Gewicht der Wagen und somit eines Güterzuges ist von der Tragfähigkeit des Ober- und Unterbaus des jeweiligen Streckenabschnittes abhängig. Die Radsatzlast eines Wagens ergibt sich aus der Summe von Eigengewicht des Wagens und Gewicht der Ladung geteilt durch die Zahl der Radsätze. In Österreich gibt es vier Streckenklassen, die sich von der Klasse A mit 16 Tonnen Achslast bis zur Klasse D mit 22,5 Tonnen Radsatz- bzw. Achslast erstrecken. Praktisch alle wichtigen Strecken in Europa entsprechen der Klasse D, Nebenstrecken meist Klasse C. Die Klassen A und B spielen dagegen kaum noch eine Rolle.

Die Meterlast wiederum wird von der Belastbarkeit der Brücken bestimmt. Sie ergibt sich aus der Summe von Eigengewicht des Wagens und Gewicht der Ladung geteilt durch die Länge des Wagens in Metern.

Leichtbau ermöglicht mehr Transportvolumen

Bei Güterwagen hängt somit die mögliche Zuladung von der Streckenklasse, der Tragfähigkeit des Wagens, der Fahrgeschwindigkeit und dessen Eigengewicht ab. Ist das Eigengewicht von Güterwagen bzw. Wagenuntergestellen, wie etwa bei unserem TransANT  – der revolutionäre Plattformwagen, der in der Bahnlogistik neue Maßstäbe setzt – geringer, ist damit mehr Zuladung möglich. Denn durch den speziellen Leichtbau und die Topologieoptimierung des TransANT erreichen wir durch ein um 20 % leichteres Wagenuntergestell bis zu vier Tonnen mehr Transportvolumen pro Wagen. Damit können noch mehr Güter umweltfreundlich auf die Schiene gebracht werden.

Praktisch alle wichtigen Strecken in Europa entsprechen der Streckenklasse D mit 22,5 Tonnen Radsatz- bzw. Achslast. © ÖBB_David Payr