Brigitte Hafner
ist Kommunikatorin in der Rail Cargo Group
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Innovation

Güterverkehr auf leisen Sohlen

Wussten Sie eigentlich, dass Güterzüge genauso laut sind, wie Lkw? Beide haben einen Schallpegel von 90 dB (Dezibel). Die Schmerzwelle, also jener Lärmpegel der als gesundheitsgefährdend gilt, liegt bei 120 bis 130 dB.

Trotzdem ist der Lärm, der bei Güterzügen entsteht, für Anrainer von Zugstrecken oft besonders störend. Zu Recht. Die Lösung ist allerdings bereits in Sicht. Neue, lärmarme Bremssysteme sorgen künftig dafür, dass die Züge fast um die Hälfte leiser werden.

Wer entlang von Bahnstrecken wohnt oder Urlaub macht, kennt das Problem: Vorbeidonnernde Güterzüge, die nicht zu überhören sind und die Nachtruhe beeinträchtigen können. Das liegt vor allem am Rollgeräusch, das zwischen Rad und Schiene entsteht. Den Lärm verursachen abgenützte Laufflächen der Waggons, die auf raue Schienen treffen. Das soll sich bald ändern. Denn Güterwaggons sollen flächendeckend mit sogenannten Flüsterbremsen ausgestattet werden. Das heißt, sie werden auf neue, lärmarme Systeme mit modernen Verbundstoff-Bremssohlen umgerüstet. So wird die Lärmbelastung hörbar reduziert.

Kautschuk statt Grauguss

Waren bisher metallische Graugussbremsen im Einsatz, so sollen diese künftig durch Bremsklötze ersetzt werden, die aus Kautschuk- und Kupfer-Verbundstoffen gefertigt werden. Das sind elastischere und deutlich geräuschärmere Materialien.

 

Geschwindigkeit im Schienengüterverkehr ist ein wesentliches Kriterium, mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Der dadurch entstandene Lärm ist die Schattenseite. Der Lichtblick: Die Rail Cargo Group arbeitet daran, den Schienengüterverkehr leiser zu machen. © RCG

Denn bei jedem Bremsvorgang mit Grauguss-Bremssohlen werden die Laufflächen der Räder aufgeraut. Bei den sogenannten Flüsterbremsen bleiben sie glatter. Deshalb verursachen Güterzüge, die etwa mit Kompositsohlen oder mit den seit 2013 zugelassenen LL-Sohlen („low noise, low friction“ – wenig Lärm, wenig Abrieb) ausgestattet sind, weniger Lärm. Die glattere Oberfläche macht die Rollgeräusche entscheidend leiser. Und der Unterschied ist hörbar! Denn bis zu zehn Dezibel weniger Lärm verursachen Züge, die mit solchen Flüsterbremsen unterwegs sind. Das bedeutet, dass die Züge fast um die Hälfte leiser klingen als herkömmliche Waggons mit Graugussbremsen. Über 40 Prozent des in Österreich von der Rail Cargo Group eingesetzten Wagenmaterials sind bereits leise.

Auswirkung des Bremssystems auf das Abrollgeräusch

Güterzug mit offenen Wagen, Kessel- und Flachwagen, die mit Graugussbremsen ausgestattet sind. Lärmbelastung: maximal 91 dB (c) RCG

Zug mit Schüttgutwagen, die mit Flüsterbremsen ausgestattet sind. Lärmbelastung: maximal 75 dB (c) RCG

Umrüstung voll im Gange

Die Rail Cargo Group gehören zu jenen Bahnlogistikern, die ihre Güterwagen mit den neuen, leisen Bremsen ausstatten. Alle neu beschafften Wagen werden bereits seit 2007 mit modernen, leiseren Bremsen ausgeliefert. Konkret wird der Anteil an leisen Wagen von 43% Anfang 2018 auf rund 55% Ende 2018 gesteigert. Durch die kontinuierliche Investition in den Wagenpark werden bis Ende 2021 mehr als 90% der österreichischen ÖBB Güterwagenflotte auf leise Bremssohlen umgebaut. Über 7.000 Güterwagen werden dann somit auf leisen Sohlen unterwegs sein.

Das Lärmgeräusch entsteht beim Kontakt des Rades mit der Schiene. © RCG_David Payr