Christian Mikula
ist Kommunikator in der Rail Cargo Group
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„Wenn bei einem Transport große Distanzen zu überbrücken sind, ist die Bahn das Transportmittel schlechthin.“

Im steirischen Pöls, dem Standort der Zellstoff Pöls AG, trafen wir CEO Andreas Rauscher zum Gespräch.

Andreas Rauscher, CEO Zellstoff Pöls AG (c) Zellstoff Pöls AG

 

Rail Cargo Group: Herr Rauscher, welche Produkte werden hier in der Zellstoff Pöls AG tagtäglich hergestellt?

Andreas Rauscher: Wir haben zwei Produkte. Das eine ist unser Zellstoff, die Marke ORION. Davon produzieren wir rund 450.000 Tonnen im Jahr. Zum anderen stellen wir heute knapp 100.000 Tonnen und in naher Zukunft rund 200.000 Tonnen unseres Kraftpapiers STARKRAFT her – dieses spezielle Papierprodukt dient zum Beispiel als Papierbeutel für Bäckereiwaren oder Geschenkpapier.

Welche Rolle spielt die RCG dabei?

Rauscher: Im Wesentlichen transportiert die RCG für uns die Hauptrohstoffe Rundholz und Hackschnitzel. Das Holz kommt hauptsächlich aus Österreich, ein kleiner Teil aus dem osteuropäischen Raum. Etwa die Hälfte davon kommt heute mit der Eisenbahn nach Pöls, die andere Hälfte per LKW. Unsere Idee für zukünftige Entwicklungen ist, dass wir den Weg „Schiene“ weiter ausbauen. Wir haben ein eigenes Anschlussgleis, über das derzeit pro Jahr ungefähr 20.000 Güterwagen mit Rohstoffen eingehen. Neben Zellstoff wollen wir in Zukunft auch Papier mit der Bahn nach draußen bringen, wir investieren da gerade 130 Millionen Euro in eine neue Papierproduktionsanlage. Wenn wir die Mengen steigern, wird es wesentlich sein, dass diese Transporte auf der Schiene und damit umweltfreundlich abgewickelt werden.

Apropos umweltfreundlich. Wie sehr ist das Thema Nachhaltigkeit in der Zellstoff Pöls AG verankert?

Rauscher: Umweltverträgliche Produktion ist ein Thema, das bei uns ganz hoch angesiedelt ist. Wir liegen mit unseren Emissionen deutlich unter den behördlich vorgegebenen Grenzwerten. Und wir produzieren hier neben Zellstoff und Papier auch Energie, das heißt wir versorgen zum Beispiel neben Pöls auch das Obere Murtal mit Fernwärme, die wir aus Abwärme rückgewinnen. Außerdem macht uns die in unserem Produktionsprozess erzeugte Energie autark. Die RCG ist dabei der ideale Logistikpartner für uns, in mehrerlei Hinsicht. Zum einen werden die Straßen dank Schienengütertransporten entlastet, zum anderen profitiert die Umwelt von geringeren Schadstoff- und Lärmemissionen. Dazu kommt, dass Pöls nicht an einem Hauptverkehrsstrom liegt. Deshalb ist die Schiene für uns ein vernünftiger und richtiger Weg, um sowohl effizient als auch umweltverträglich zu wachsen.

In punkto Wachstum – vor allem international – hat auch die RCG noch einiges vor. Welche Faktoren sind Ihrer Ansicht nach entscheidend, damit der Schienengüterverkehr künftig noch attraktiver wird?

Rauscher: Wichtig ist, dass die Logistik reibungslos funktioniert und verlässlich ist. Logischerweise kann die Bahn nicht genau so agieren wie der LKW, weshalb man in der Planung und Organisation vorausschauend handeln muss. Wenn das beide Seiten tun, funktioniert das einwandfrei. Und wenn bei einem Transport große Distanzen zu überbrücken sind, ist die Bahn jedenfalls das Transportmittel schlechthin. Deshalb sind wir nicht nur interessiert, sondern möchten uns ganz bewusst gemeinsam mit der RCG weiterentwickeln. Dazu stehen wir in intensiven Gesprächen mit unserem Logistikpartner und bilden so die Basis, um gemeinsam weiterzuwachsen. Ich sehe, dass sich bei der RCG sehr viel entwickelt und dass hier sehr viel Entwicklungspotenzial für beide Seiten drinnen steckt. Vor allem aus gesellschaftspolitischer Sicht sollte so viele Verkehr wie sinnvoll möglich auf die Schiene gebracht werden, um beispielsweise die Feinstaubbelastung in den größeren Städten zu reduzieren. Aus Umwelt- und Lärmsicht gibt es nach meiner Meinung keine Alternative zur Bahn.

Zellstoff Pöls (c) RCG Mikula