Mit dem Agrartransport zur Pasta-Fabrik

15. 02. 2024

Agrarprodukte sind ein wesentlicher Bestandteil unserer täglichen Ernährung. Doch wie gelangen sie eigentlich vom Acker in unseren Einkaufswagen? Die Antwort: durch zuverlässige und vor allem flexible Logistiklösungen – denn keine andere Branche ist so stark vom Wetter abhängig wie der Agrarmarkt. Die Logistikprofis Leo Leichtfried und Stevan Bosanac erzählen, was diesen Markt ausmacht, in welche Richtungen die wichtigsten Routen verlaufen und wie die Güter schließlich zu Pasta, Wodka oder Futtermittel verarbeitet werden.

Agrar ist nicht nur ihr Job, sondern ihre Leidenschaft: Leo Leichtfried arbeitet seit zehn Jahren in der Welt der Bahnlogistik und ist in der Rail Cargo Group (RCG) Segment Manager für Agrartransporte. Dort ist er für die gesamte Logistikkette verantwortlich: Vertrieb, Einkauf und Abwicklung. In seinem Team kümmern sich Spezialist:innen in ganz Europa um internationale Kunden – das sind etwa Mühlen, Futtermittelhersteller oder Pasta-Produzenten. Einer von ihnen ist der Vertriebsprofi Stevan Bosanac. Leo und Stevan sind sich einig – ihr Job ist herausfordernd, abwechslungsreich und bietet jeden Tag eine neue Challenge.

Könnt ihr uns erzählen, was für euch das Besondere an der Arbeit mit Agrarprodukten ist?

Leo: Agrar ist ein Massengut in einem volatilen, weltweiten Markt. Das heißt, dass wir in unserer Arbeit die maximale Flexibilität an den Tag legen müssen. Wenn sich die Maispreise in Brasilien ändern, hat das unmittelbar Auswirkungen auf den europäischen Markt und somit auf unsere Transporte. Die Routen ändern sich eigentlich ständig. Wo Agrarprodukte gerade billig oder teuer sind, entscheidet das Wetter, auf das man bekanntlich keinen Einfluss hat und der jeweils gültige Marktpreis an den internationalen Börsen. Wir haben keine klassischen regelmäßigen Routen von A nach B wie andere Branchen.

Stevan: In anderen Branchen gibt es oft fixe Fahrtzeiten und Fahrpläne. Wir suchen aber jeden Tag nach neuen Lösungen für unsere Kunden. Und diese Lösungen setzen wir mit unseren 4.000 Schüttgutwagen um, die in ganz Europa verteilt sind. Die müssen immer entsprechend beladen und bewegt werden – und das immer so, wie es strategisch für unsere Kunden am sinnvollsten ist. Daher ist es nie fad, denn jeder Tag bringt etwas Neues mit sich.

Schüttgutwagen

Gibt es dennoch klassische Transportrouten, die wir häufig bedienen?

Leo: Wir fahren beispielsweise viel nach Italien zu den großen Pasta-Produzenten, Händlern oder Futtermittel-Herstellern. Wir transportieren auch in die Nähe der französischen Alpen in Italien: Dort wird aus dem Getreide, das wir hinbringen, Alkohol gewonnen. Dieser wird wiederum unter anderem nach Schottland gebracht, um Whiskey zu produzieren. Aber auch Wodka und Gin werden daraus hergestellt. Aber nicht nur Alkohol: Jeder kennt die bekannte Süßigkeiten-Marke mit den kleinen bunten Bären, die man kauen kann. Die Fructose für die Herstellung stammt auch aus dem Getreide, das wir transportieren. Daneben transportieren wir auch Zuckerrüben im großen Stil. Daraus wird dann der klassische Kristallzucker zum Kuchenbacken gewonnen. Das ist das Schöne: Wir alle kommen mit den Endprodukten in irgendeiner Weise in Berührung.

Ich habe gehört, dass aus Mais – und nicht, wie viele denken aus Zitronen – auch Citronensäure hergestellt wird. Das findet man ja auch in vielen Lebensmitteln.

Stevan: Richtig, wir transportieren Mais unter anderem zu einem großen Hersteller in Niederösterreich, der daraus Citronensäure herstellt. Das wird in der Lebensmittelindustrie als Antioxidans, vor allem aber als Säuerungsmittel eingesetzt. Man findet sie fast in jeder Konserve, z.B. in Tomatensaucen für Spaghetti.

Apropos Spaghetti – ihr habt schon erwähnt, dass eine häufig angefahrene Destination Italien ist, um unter anderem Spaghetti, Fusilli und Penne herzustellen. Welche weiteren Ziele bzw. Transportströme gibt es noch?

Leo: Insgesamt bedienen wir drei große Transportstränge. Italien wurde bereits genannt. Da wird das Getreide aus Ungarn, Rumänien oder der Ukraine geliefert. Aus der Ukraine fahren wir darüber hinaus auch noch viel nach Deutschland zu den großen Mühlen. Und der dritte große Strang sind die Zuckerrüben, die wir vor allem innerhalb Österreichs und Ungarns zu den lokalen Zuckerfabriken bringen. In der letzten Zuckerrübensaison sind wir allein in Österreich übrigens insgesamt über 29.000 Wagen gefahren und haben fast 1,5 Millionen Tonnen transportiert – das ist fast schon rekordverdächtig.

Sind Getreidetransporte aus der Ukraine nach wie vor ein großes Thema?

Leo: Definitiv. Früher hat die Ukraine ihr Getreide überwiegend über die Häfen (z.B. Odessa) exportiert. Dann begann der Angriffskrieg auf die Ukraine und plötzlich spielte der Landweg eine entscheidende Rolle. Vor allem zu Beginn war das herausfordernd, da es in ganz Europa für diese enormen zusätzlichen Mengen keine Ressourcen und Kapazitäten gab. Aber ich muss sagen, dass alle Beteiligten – Erzeuger, Produzenten, Verlader und Spediteure – ihre Hausaufgaben sehr gut und schnell gemacht haben. Es ist natürlich immer noch eine Challenge, vor allem wegen der Breitspur. Europa hat die Normalspur, das bedeutet, die Wagen müssen an der Grenze umgeladen werden und das heißt wiederum, dass die europäischen und ukrainischen Wagen relativ zeitnah an der Grenze zusammentreffen müssen. Zeitmanagement ist das A und O. Hinzu kommt, dass es sich ja auch um ein äußerst politisches Thema handelt.

Gerade in diesem Umfeld – welche Rolle spielt da Flexibilität?

Stevan: Eine entscheidende – aber nicht nur für Transporte aus der Ukraine, sondern generell im Agrarmarkt. Um für unsere Kunden so flexibel wie möglich auf neue Begebenheiten am Agrarmarkt zu reagieren, haben wir in 4.000 Schüttgutwagen investiert. Die Wagen sind alle im Einsatz und quer über ganz Europa verstreut. Das ist ein großer Vorteil, den wir im Gegensatz zu unseren Mitbewerbern haben. Mit so einer Flotte, und unseren eigenen Speditions- und Eigentraktionsgesellschaften, sind wir ein verlässlicher Partner der Wirtschaft und können mit höchster Flexibilität auf die Bedürfnisse unserer Kunden reagieren, die sich oft schlagartig ändern können.

Leo: Und damit sind wir am richtigen Weg: Unser Business ist ein “All-In-Geschäft” – das heißt, wir verkaufen den Transport von Agrargütern inklusive der dazu benötigten Wagen. Wir haben schon vor einigen Jahren begonnen, unseren Wagenpool schrittweise zu erneuern. Bis dato ist uns die Integration von ca. 1.000 Neubauwagen gelungen. Das merken wir auch in unseren Umsätzen. Von 2022 auf 2023 sind wir in der RCG im Agrarsegment um über 15 Prozent gewachsen. Das zeigt uns, dass unsere Performance stimmt. Und diese Bestätigung bekommen wir auch tagtäglich von unseren Kunden. Das ist, was für uns diesen Job so schön macht.

Auf einen Blick

  • Internationale Agrarlogistik mit Spezialequipment-Lösungen
  • Einhaltung strengster gesetzlicher Auflagen und Qualitätsanforderungen der Lebens- und Futtermittelindustrie
  • 140 Mio. Euro Umsatz pro Jahr (2022)
  • 7,1 Mio. Tonnen transportiertes Getreide im Jahr, davon 1,3 Mio. Tonnen aus der Ukraine (2022)
  • Ca. 20 Vertriebsmitarbeiter:innen

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